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Nicht mehr lange...

Die Rubrik Reportage wird ab März mit einer Vorschau auf die entstehende Reportage aufgeschaltet. Voraussichtlich im Herbst veröffentliche ich hier die komplette Multimedia-Reportage «Ozra». Bis dann kannst Du die Entstehung im Blog mitverfolgen. Trage dich im Menu für den Newsletter ein um über dieses und weitere Projekte auf dem laufenden zu bleiben.

Basel city, SchweiWe may have found a good spot but we will need a permission to cook warm food. We'll start with tea. presevo rastplatz

14.02.15 / angekommen in

Basel, Schweiz

p134

Pension Katharina

10.02.15 / in Sankt Kanzian , Österreich

Noch bevor ich aus dem Taxi ausgestiegen bin, eilte eine ältere Frau in einer auffällig roten Jacke wild gestikulierend auf mich zu. „Sie können hier nicht übernachten“ fauchte sie mich an. „Das habe ich auch nicht vor“ entgegnete ich. Gerade als ich erklären wollte, weshalb ich dort sei, kam Sam aus der Tür hinaus. Ich deutete auf ihn und sagte, dass ich mich nur mit Sam treffen wolle. Die Frau sah jetzt weniger genervt, dafür umso irritierter aus. „Warum?“ fragte sie. Weil er ein Freund von mir sei, gab ich zurück. Woher ich ihn kenne, wollte sie wissen. Dass ich ihn aus Griechenland kenne, schien sie nur noch mehr zu irritieren. Sie runzelte die Stirn, wandte sich ab und verschwand kopfschüttelnd im Haus.

Endlich hatte ich Javed getroffen. In einer Pension, die mittlerweilen als Asylunterkunft genutzt wird. Wir unterhielten uns eine Weile lang hinter dem Haus, während immer wieder andere Flüchtlinge neugierig dazustiessen. Javed erzählte mir, wie er es nach Österreich geschafft hatte und zeigte mir die Dokumente der Befragung.

Als wir etwas später im Aufenthaltssaal der Pension sitzen, kommt plötzlich die Frau in der roten Jacke wieder, die sich als Leiterin des Lagers vorstellte. Diesmal war sie etwas freundlicher. Sie wollte meine ID sehen und wissen, wie es dazu kam, dass ich Javed in Griechenland kennengelernt habe. Ich erzählte ihr, wie ich eine Woche mit den afghanischen Flüchtlingen in Patras verbracht hatte. Ihrer Reaktion nach, konnte sie das nicht verstehen. Ob ich etwa ein Reporter sei, fragte sie scharf. „Ja“ gab ich zu und fügte schnell an, dass ich mich hier erst mal nur wieder mit ihm treffen will, als ich sah, dass sich ihr Gesicht wieder verfinsterte. Sie machte mir deutlich, dass ich ohne Erlaubnis, keine Interviews, Aufzeichnungen oder Fotos machen dürfe. Schliesslich gebe es hier Vorschriften. Ich stimmte zu. Ein Foto musste ich dann trotzdem machen.

Heider, ebenfalls ein afghanischer Flüchtling, der seit acht Monaten dort ist und etwas Deutsch spricht, sitzt mit uns am Tisch. Er entschuldigt sich für das Verhalten der Leiterin, und dafür, dass er mir nichts anbieten könne. Er würde gerne etwas kochen, aber das sei ihm leider nicht erlaubt. Allgemein scheinen die Asylsuchenden hier nicht viele Beschäftigungsmöglichkeiten zu haben. Zumindest nicht im Winter.

Das sei ja kein Gefängnis, hatte die Leiterin mit der roten Jacke gesagt. Schliesslich dürften die Asylsuchenden zwei Nächte im Monat ausserhalb der Unterkunft übernachten. Diese, von ihr als grosszugig erachtete Freiheit wollen wir nutzen. Javed kommt für zwei Tage mit nach Klagenfurt, wo ich die Gespräche mit ihm führen werde.

09.02.15 / angekommen in

Sankt Kanzian, Österreich

Annäherung

09.02.15 / in Klagenfurt , Österreich

Nach einigen Tagen in Klagenfurt mache ich mich auf den Weg nach Sankt Kanzian, um etwas näher an Javeds Aufenthaltsort zu sein. Getroffen habe ich Javed bis jetzt nicht. In Sankt Veit selbst eine Unterkunft zu finden, stellte sich als unmöglich heraus. Da zweimal im Tag ein Bus in das Dorf fährt und ich so höchstens drei Stunden täglich dort bleiben könnte, werde ich wohl mit dem Taxi unterwegs sein müssen.  

07.02.15 / angekommen in

Klagenfurt, Österreich

p129

Funkstille

01.02.15 / in Basel, Schweiz

Eine Woche lang hatte ich nichts von Javed gehört. Zuletzt war er im Aufnahmezentrum in Wien. Kurz bevor ich abreisen wollte, ist der Kontakt abgebrochen. Da Österreich, laut Welcome to Europe in Griechenland registrierte Asylsuchende immer noch dorthin zurückschickt, machte ich mir Sorgen. Die meisten Europäischen Länder haben diese Praxis aufgrund der prekären Lage für Flüchtlinge in Griechenland eingestellt.

«Hallo Simon, mir geht es gut! Wie geht es ihnen?» Endlich. Dass er auf Deutsch schreibt, beruhigt mich zusätzlich. Er ist also noch in Österreich. Er sei in ein Lager in der Nähe von Klagenfurt verschoben worden, schrieb er mir.

Das bedeutet wieder ein neues Reiseziel für mich. In Klagenfurt dürfte es nicht einfach sein, auf die Schnelle einen Übersetzer zu finden – das war es schon in Wien nicht. Doch die Zeit wird knapp, weshalb ich mit oder ohne Übersetzer bald abreise. 

p128

«Hi Simon, I’m in Austria»

16.01.15 / in Basel, Schweiz

Drei Tage vor meiner Abreise nach Athen erhalte ich diese Nachricht von Javed. So sehr ich mich für den jungen afghanischen Flüchtling freue, Griechenland nach elf Jahren endlich verlassen zu können, kommt mir der Zeitpunkt doch sehr ungelegen. Denn ihn hätte ich heute in Athen treffen wollen. Der Flug ging ohne mich und stattdessen reise ich nach Wien.

Javed habe ich im Oktober 2013 in Patras in einer heruntergekommenen Fabrik getroffen. Dort hat er und vierzig weitere afghanische Flüchtlingen Unterschlupf gefunden – alle mit dem Ziel, auf einer Fähre vom gegenüberliegenden Hafen aus nach Italien zu gelangen. Nun hat er es geschafft, nicht mit der Fähre und auch nicht nach Italien, aber doch seine ausweglose Situation in Griechenland hinter sich zu lassen.

Javed wieder zu treffen, ist der erste Schritt meiner aktuellen Reportage, für die ich seinen Fluchtweg zurückverfolgen werde.

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